Wir für den Menschen

Echtbetrieb für Pflegeschüler

München I 02.11.2020

Im Rotkreuzklinikum München übernahmen zum wiederholten Male Pflegeschüler Regie und Verantwortung im Stationsbetrieb. Die neue, große Herausforderung bestand darin, dass zum ersten Mal auch hämatologisch-onkologische Patienten mit im Zwei-Schicht-Betrieb zu versorgen waren. Insgesamt fünf Tage lang stellten sie das verantwortliche Pflegeteam einer gesamten Station und stemmten die Abläufe von der Patientenbetreuung über Planung und Dokumentation bis hin zur Übergabe bei Dienstschluss. Näher an die berufliche Praxis kann Pflegeausbildung nicht kommen.

Das Projekt „Schüler leiten eine Station" ist für die Zentrale Praxisanleitung des Rotkreuzklinikums fast schon Routine. Seit mehreren Jahren sind Dagmar Martin und ihr Team dabei, wenn die angehenden Pflegefachkräfte den Stationsbetrieb von einer ganz anderen Seite und doch innerhalb eines geschützten Rahmens kennenlernen: Es sind die Schüler selbst, die alle anfallenden Aufgaben verantwortlich übernehmen, Entscheidungen treffen und den Stationsalltag strukturieren. Die erfahrenen Kollegen, vor allem aber die Praxisanleiterinnen sind dennoch stets im Hintergrund und stehen bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

In diesem sich über fünf Tage erstreckenden Projekt war jedoch für alle Beteiligten vieles anders. „Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Projektstation nicht wie bisher nur mit geriatrischen Patienten belegt, sondern auch sehr aufwändige hämatologisch-onkologische Patienten sind hier stationär", erklärt Martin. „Die oft hochbetagten geriatrischen Patienten mit ihren vielschichtigen Krankheitsbildern fordern die Schüler wirklich. Bei der Pflege von Tumorpatienten kommt on-top noch ein stärkerer medizinisch-technischer Aspekt dazu. Bei diesen Schwersterkrankten gilt es komplexe Infusions- und Chemotherapien vorzubereiten und zu überwachen – und das bei höchsten Anforderungen an Hygiene- und Schutzmaßnahmen."

Neu war auch die Teilnahme von Azubis der Kinder- und Krankenpflege im zweiten Ausbildungsjahr. Normalerweise nehmen nur Gesundheits- und Krankenpflegeschüler im dritten Ausbildungsjahr teil. Um jedoch den Stationsbetrieb mit „Team Geriatrie" und „Team Onko" aufrecht erhalten zu können, genügten die neun Azubis im dritten Jahr alleine nicht. Kurzerhand entschied die Projektleitung Ute Scheuer, die vor Ort eingesetzten Kinderkrankenpflegeschüler mit einzubinden. Zusätzlich zu den erforderlichen Testungen vor Beginn des Projektes sowie den Corona-bedingten Abstandsregeln stellte die Projektwoche für alle eine große Herausforderung dar. Die Kinderkrankenpflegeschülerin Savannah Walther sieht das allerdings positiv: „Ich konnte meinen Wissenstand erweitern, habe viel Verantwortung übernehmen können und hatte zusätzlich auch Freude und Spaß mit den Kollegen und den Patienten."