Junge Ukrainerin startet mit Pflegeausbildung durch
München I 24.02.2026

„Wie geht es jungen Ukrainer:innen in Bayern? Abwarten oder Durchstarten?“, fragte der Bayerische Rundfunk nach vier Jahren Krieg. BR-Journalistin Astrid Uhr besuchte deshalb Anastasiia Mospan in den Unterrichtsräumen der Berufsfachschule für Pflege am Münchner Rotkreuzplatz. Gemeinsam mit einem kleinen Kamerateam begleitete sie die 20-Jährige im theoretischen Unterricht sowie im Skills Lab der Pflegeschule.
Anastasiia floh wenige Tage nach Beginn des russischen Angriffskrieges aus ihrem zentralukrainischen Heimatort Krementschuk nach München. Anfangs hatte sie noch Hoffnung, bald zurückkehren zu können. Dennoch hat sie sich gleich nach ihrer Ankunft in München auf das Deutschlernen konzentriert. Sie hat mittlerweile das B2-Sprachzertifikat, eine der Voraussetzungen für eine Ausbildung oder ein Studium in der BRD. Ihr ukrainisches Abitur ist jedoch in Deutschland nicht anerkannt. Deshalb hatte sie zunächst ein Medizin-Fernstudium an der Universität Charkiv aufgenommen. Nach vier Jahren Ukrainekrieg hat sie sich entschieden, in München eine Pflegeausbildung zu beginnen. „Die Ausbildung macht mir Spaß. Es ist toll, dass ich im Schülerinnenwohnheim am Rotkreuzplatz wohnen kann“, sagt Anastasiia.
„Pflege ist ein kommunikativer, interaktiver Beruf“, so Elke Rapp, stellvertretende Schulleitung. Sie berichtet, dass derzeit rund 60 Prozent der Auszubildenden an der Berufsfachschule für Pflege München keinen deutschen Pass haben. „Um sie zusätzlich zu unterstützen, bieten wir ‚Deutsch für die Pflege‘ an.“ Den freiwilligen Unterricht nehmen die Auszubildenden mit Migrationshintergrund gerne an. „Der Kurs hilft mir, meine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern, besonders im Fachbereich Pflege“, betont auch der Iraner Milad Sadeghi, der dieses Jahr seinen Abschluss als Pflegefachmann machen wird.
„Ich sehe meine Zukunft in Deutschland“, sagt Anastasiia und dreht sich lächelnd zu ihrer iranischen Freundin um. Beide haben sich dazu entschlossen, nicht auf eine Rückkehr zu warten, sondern in München durchzustarten. "Mein Herz ist zur Hälfte in der Ukraine, bei meinen Großeltern – und zur anderen Hälfte hier in Bayern", sagt Anastasiia. Schulleiterin Rapp ist überzeugt, dass das Herz der jungen Auszubildenden zudem Pflege schlägt. „Unsere ausländischen Nachwuchskräfte sind eine wichtige Stütze für die Gesundheitsversorgung in Deutschland“, versichert sie und freut sich über die kulturelle Bereicherung durch Anastasiia und ihre Kurskolleg:innen.
Zum Audiobeitrag im Bayerischen Rundfunk
Zum Beitrag in BR 24 am 23.02.2026 (ab Minute 7:30 Uhr)

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